Tarzan, der Herr des Urwalds (1932)

tarzantitelAls das „All-Story-Magazine“ im Oktober 1912 Edgar Rice Burroughs’ Geschichte „Tarzan bei den Affen“ („Tarzan of the Apes“) veröffentlichte, konnte wohl noch niemand erahnen, welcher Boom um den Affenmenschen entstehen sollte. Und doch gab es bereits erste Anzeichen dafür, dass der Dschungelheld der Familie Burroughs den erhofften finanziellen Erfolg bescheren sollte: Begierig verschlang die Leserschaft die Geschichten Burroughs’ und so sollte es auch nicht lange dauern bis das noch junge Hollywood die Möglichkeiten dieses Stoffes für sich entdeckte und an die Tür des Literaten klopfte, um schließlich 1918 den ersten „Tarzan“-Streifen (Elmo Lincoln in der Rolle des Titel-Helden) auf die noch stummen Leinwände zu bringen. Heute, fast 100 Jahre, nahezu 100 Verfilmungen und unzählige Print-Publikationen später, hat sich „Tarzan“ als eine der bekanntesten Figuren der Filmgeschichte etabliert.

Doch es sollten nicht die frühen, stummen Gehversuche des Affenmenschen sein, die dem Stoff seinen heutigen Kultstatus bescheren sollten: Erst mit MGMs „Tarzan the Ape Man“, dem ersten Auftritt Johnny Weissmüllers und dem ersten Erklingen des legendären Dschungelschreis wurde 1932 das bereits begonnene Fundament für Tarzans Erfolg fertig gegossen.

„Meinen Dschungelschrei lernte ich von meinen Vorfahren. Die gingen an den Wochenenden immer ins Gebirge, in the mountains – jodeling.“

Dass seine österreichisch-ungarischen Wurzeln ihm eines Tages sein ganz besonderes Markenzeichen bescherentarzan1 sollten, hätte Weissmüller wohl vor allen Dingen zu Zeiten seiner Schwimmer-Karriere (u.a. 5 olympische Goldmedaillen) nie erwartet. Der Dschungelschrei ist das, was die meisten mit der Filmfigur „Tarzan“ verbinden, noch ehe der Name Weissmüller überhaupt einmal fällt, und genau dieser Dschungelschrei passt auch perfekt in das Bild, das man heute wie damals vom Affenmenschen hat: er symbolisiert die Stärke eines fernab von jeglicher Zivilisation befindlichen Wesens, eines Wesens, dessen humane Wurzeln offensichtlich sind und bei dem doch die animalischen Züge scheinbar überwiegen und eine sonderbare Faszination ausüben.

Eine Faszination, der sich auch die junge Jane Parker (Maureen O’Sullivan) nicht entziehen kann. Sie ist gemeinsam mit ihrem Vater auf der Suche nach einem Elefantenfriedhof, als sie plötzlich von Tarzan „entführt“ und in seine Behausung gebracht wird. Aus anfänglicher Furcht vor dem fremden Wesen entwickelt sich eine freundschaftliche, liebevolle Zuneigung und Jane muss sich entscheiden, ob sie mit ihrem Vater und seinen Begleitern den Weg zurück in die Zivilisation beschreitet oder einem Leben im Dschungel entgegen blicken möchte…

„Me Tarzan, you Jane!“

Bei diesen ersten Worten Tarzans kann man bereits die ersten zarten Bande erkennen, die sich zwischen ihm und seiner angebeteten Jane entwickeln, und wer kann ihm auch verdenken, dass er sich in die junge Abenteurer-Tochter verliebt? Die hübsche Irin Maureen O’Sullivan erscheint als perfekte Besetzung der Jane und bot den männlichen Zuschauern der 30er Jahre für damalige Maßstäbe anrüchig viel nackte Haut, ein Umstand, der noch zusätzliche Zuschauer in die Lichtspielhäuser locken sollte.

VIENNALE-ARCHIVDas Anrüchige und der doch recht naive Plot bewogen schließlich seinerzeit auch die Kritiker dazu, „Tarzan the Ape Man“ als unbedeutendes, allenfalls mittelmäßiges Schaffenswerk abszustempeln. Und wenn man sich die Mühe macht, den Film auf eine gehalt- und anspruchsvolle Botschaft hin abzuklopfen, wie es damals die großen Rezensenten auch taten, könnte man recht schnell zum gleichen Urteil wie die damaligen Kritiker kommen. Doch wollte die „Tarzan“-Reihe überhaupt jemals anspruchsvolle Kost bieten? Betrachtet man „Tarzan, der Affenmensch“ frei von jeglichem Anspruch, eine Botschaft extrahieren zu wollen, erkennt man auch, was dieser Film sein wollte und letztendlich auch ist: „Popcorn-Kino“ in seiner Ur-Form, ein Film, der seinem Publikum die Möglichkeit bot (und weiterhin bietet), für 90 Minuten die „Flucht“ aus dem Alltag hinein in fremde Welten anzutreten.

Wenn Tarzan mit Tigern und Löwen ringt oder er dem gemeinsamen Badespaß mit Jane frönt, kann sich der heutige Zuschauer ebenso fesseln und unterhalten lassen wie der Zuschauer im Jahre 1932. Man kann zwar nicht abstreiten, dass einer der größten Kritikpunkte an „Tarzan, der Affenmensch“ (die stumme Opfer-Rolle der afrikanischen Schauspieler) vor allen Dingen dem heutigen Betrachter sauer aufstoßen kann, aber gerade bei einem solch anspruchslosen Film sollte man so etwas nicht allzu stark ins Gewicht fallen lassen. Das, was sich dem Zuschauer dann bietet, wenn er sich vollends auf die abenteuerliche Geschichte einlässt, ist zwar bei weitem kein Meilenstein der Filmgeschichte, aber immerhin wundervolle Unterhaltung… und mehr wollte „Tarzan, der Affenmensch“ auch nie sein…

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Die Kunst des negativen Denkens (2006)

kunsttitelFriede, Freude, Eierkuchen trifft auf Krieg, Hass, Marihuana

Dass die Skandinavier ein Händchen für schwarzhumorige Filme haben, wissen wir spätestens seit den mittlerweile als „kleine Klassiker“ bekannten Idioten, Dänische Delikatessen oder Adams Äpfel. Die norwegische Produktion Die Kunst des negativen Denkens reiht sich in diese Riege ein, ohne jedoch gänzlich an die Qualität der zuvor genannten heran zu reichen.

Der 33jährige Geirr (Fridjov Saheim) ist seit einem Unfall querschnittsgelähmt und ertränkt sich in Selbstmitleid, Depressionen und Groll. Zur Musik von Johnny Cash und Kriegsfilmen fristet er kiffend und saufend sein von der Außenwelt abgeschottetes Dasein. Da seine Frau Ingvild (Kirsti Eline Torhaug) verzweifelt einen Ausweg aus dieser Situation sucht, lädt sie eine Selbsthilfegruppe unter der Leitung der Therapeutin Tori (Kjersti Holmen) zu sich nach Hause ein, um ihrem Ehemann die Kunst beibringen zu lassen, seine Situation positiv zu sehen. Doch alle Beteiligten haben nicht den Plan mit Geirr gemacht, der die Kunst des negativen Denkens verficht. So entwickelt sich das Aufeinandertreffen der unterschiedlichen Behinderten und der körperlich und (vermeintlich) geistig nicht Beeinträchtigten anders als erwartet…

Bård Breiens Debut auf dem Regiestuhl erweist sich aufgrund der Einschränkung auf ein kleines Set als minimalistisches Kammerspiel, das nicht durch große Bilder, sondern vielmehr durch große Charaktere punkten will und dies auch größtenteils kann. Alle Teilnehmer des illustren Kaffeekränzchens haben ihre besonderen kunst2Macken, die liebevoll ausgearbeitet wurden und von allen Darstellern herrlich auf den Punkt gebracht werden. Sei es die alternde Diva Lillemor (Kari Simonsen), die offenkundig eher ein psychisches denn ein physisches Problem hat, der Schlaganfall-Patient Asbjorn (Per Schaaning), der zunächst nur grunzend im Rollstuhl sitzt um später „zur Höchstform“ aufzulaufen oder die ewig lächelnde und durchweg positiv eingestellte, halsabwärts Gelähmte Marte (Marian Saastad Ottesen), die gemeinsam mit ihrem Ehemann die „Think-Positive“-Attitüde der Therapeutin Tori gänzlich verinnerlicht hat, obwohl sie an sich die scheinbar hilfloseste aller Gruppenmitglieder ist. Sie alle sorgen für einige Höhepunkte in Die Kunst des negativen Denkens. Herausstechend sind die Leistungen Fridjov Saheims in seiner Rolle des griesgrämigen Geirr als Dreh- und Angelpunkt der Handlung und erst Recht Kirsti Eline Torhaugs, die – vor allen Dingen aufgrund des teilweise schon recht nahe ans Over-Acting grenzenden Agierens der Therapiegruppe – in ihrer Rolle als besorgte, innerlich zerrissene Ehefrau am glaubwürdigsten wirkt.

 Regisseur Breien treibt die Entwicklung der Therapiegruppe zügig, aber dennoch mit einer beeindruckenden Ruhe voran. Die Entwicklung der einzelnen Charaktere von hilflosen, zum positiven Denken gezwungenen Objekten hin zu Individuen mit einer eigenen Meinung ist in Teilen zwar vorhersehbar, aber dennoch durchaus amüsant. Beachtlich ist, dass die vermeintlichen Probleme der Behinderten hier im Rahmen einer ausgiebigen Orgie mit Alkohol, Drogen, Musik und (beinahe) Sex schon fast lapidar erscheinen im Vergleich zu den seelischen und moralischen Probleme von Therapeutin und „gesunden“ Ehepartnern.
Kunst1
Ohne rosarote Brille werden hier alltägliche Probleme von geistig und körperlich Behinderten angesprochen, diese sogar teilweise sarkastisch und knallhart dargestellt. Ein kleiner filmischer Schlag gegen die stetig aufkeimende „Think Positive“-Bewegung und ein Leuchtfeuer für eben jene
Kunst des negativen Denkens
. Für „Gutmenschen“ sicherlich nicht leicht verdaubare Kost, für Menschen mit einer gesunden Portion schwarzen Humors und dem Gespür für die Botschaften, die uns Bård Breien mit seinem Regiedebüt vermitteln wollte, eine ganz klare Empfehlung…

Du kannst Deine Probleme nur bewältigen, wenn Du die Kunst des negativen Denkens verinnerlicht hast

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Kikujiros Sommer (1999)

kikujirotitelWenn der trübe Winter Einzug hält, kommt die Zeit für die ruhigen Filme, die die Kälte, die draußen herrscht, durch erzählerische Wärme vertreiben können. Wenngleich „Kikujiros Sommer“ im sommerlichen Japan spielt, übermittelt er seine Wärme nicht durch sonnenüberflutete Bilder, sondern durch menschliche Wärme, die gleich einem wohligen Kaminfeuer den ganzen Raum ergreift.

Da sein Vater tot ist und seine Mutter in einer weit entfernten Stadt arbeitet, lebt der achtjährige Masao bei seiner Großmutter. Als er zu Beginn der Sommerferien merkt, dass alle seine Freunde verreist sind, fasst Masao den Entschluss, sich auf den Weg zu machen, seine Mutter zu besuchen. Eine Bekannte der Familie schickt ihren Ehemann Kikujiro (Takeshi Kitano) mit auf die Reise, damit der Junge sicher an seinem Ziel ankommt. Das ungleiche Paar aus ungehobeltem Ekel und kleinem Jungen macht sich auf eine Reise, auf der sie einigen seltsamen Gestalten begegnen und mit zunehmender Dauer entwickelt sich eine Freundschaft zwischen den beiden…

Auch wenn Takeshi Kitano eher für seine Yakuza-Filme bekannt und geliebt ist, ist „Kikujiros Sommer“ in seiner ruhigen, gesetzten, herzergreifenden Erzählweise wohl zu seinen besten Filmen zu zählen. In wundervollen Bildern erzählt er hier eine Road-Movie-Story, die dramatische und komische Elemente gekonnt miteinander vereint. Lange, ruhige Kamera-Einstellungen, eindrucksvolle Landschaftsaufnahmen, gekonnt gesetzte Schnitte kikujiro4erzeugen hier ein ganz besonderes Seh-Erlebnis, das die ruhige Grundstimmung des Filmes enorm verstärkt. Das Ganze wird durch einen der besten Soundtracks, der mir je zu Ohren gekommen ist, verstärkt. Joe Hiasashi hat für „Kikujiros Sommer“ einen wundervoll verträumten, ruhigen Score komponiert, dessen bestimmende Piano-Linie vom Ohr direkt ins Herz geht und dort lange Zeit verweilt. Ein Klang-Erlebnis, das auch ohne die tollen Bilder Wärme verströmt und zum Träumen einlädt.

kikujiro3

Inmitten dieser feinfühligen Inszenierung leben die erstklassig agierenden Darsteller in ihren Charakteren so richtig auf. Kitano spielt zwar hier sicherlich nicht die Rolle seines Lebens, jedoch vermag er es, die Entwicklung Kikujiros vom eher kauzigen und unzufriedenen Verlierer hin zum fürsorglichen und herzlichen Begleiter Masaos glaubwürdig und sympathisch darzustellen. Yusuke Sekiguchi punktet in seiner Rolle des achtjährigen Masao nicht nur durch Niedlichkeits-Bonus-Punkte, sondern überzeugt mit seiner unbekümmerten Art, die er mit zunehmender Dauer der Reise an den Tag legen darf, wohl auch den extremsten Misanthropen. Die teils skurrilen Nebencharaktere, denen Kikujiro und Masao auf ihrer Reise begegnen und die tollen Spiele, die Kikujiro zur Freude von Masao gemeinsam mit ihren Zufallsbekanntschaften inszeniert, tragen dazu bei, dass „Kikujiros Sommer“ trotz der ruhigen Erzählweise und des dramaturgisch nur durch wenige Spitzen gesegneten Drehbuchs nie langweilig wird.kikujiro2

Takeshi Kitanos „Kikujiros Sommer“ kann man eine Vielzahl an Attributen zuschreiben: warmherzig, ruhig, bezaubernd, melancholisch, herzergreifend, sympathisch, menschlich, kindlich-verspielt, verträumt, unbekümmert, traurig, komisch, wunderschön… Sie alle sind zu einhundert Prozent zutreffend. Oder um es mit anderen Attributen zu sagen: „Kikujiros Sommer“ ist rundum sehens-, hörens-, erlebenswert!

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Das Mädchen mit dem leichten Gepäck (1961)

gepäck1Roberto Rossellini, Luchino Visconti, Federico Fellini… bei all den großen Namen, die das italienische Kino gerade zu Zeiten des aufkeimenden Neorealismus und darüber hinaus zu Tage brachte, vergisst man doch allzu gerne, auch einmal den Blick weg von den Größen des Geschäfts und hin zu heutzutage schon fast vergessenen Filmemachern schweifen zu lassen. Beispielsweise zu einem Mann namens Valerio Zurlini, der sich zwar nicht durch einen allzu hohen Output an Filmen auszeichnete, dafür aber die eine oder andere Glanzleistung auf Zelluloid bannte.

„Das Mädchen mit dem leichten Gepäck“ ist eine dieser „unentdeckten Perlen“, die im Meer des italienischen Films nur darauf warten, entdeckt zu werden. Zurlini bewegt sich in dieser Tragikomödie aus dem Jahre 1960 gewissermaßen auf den Pfaden des im gleichen Jahr erschienenen Fellini-Meisterwerkes „La Dolce Vita“, kopiert dabei jedoch genauso wenig wie er versucht, seine Geschichte der jungen Aida (Claudia Cardinale) allzu schwermütig erscheinen zu lassen.

Es scheint zwar, als sei das Leben der jungen Sängerin alles andere als leicht – von ihrem letzten Liebhaber eiskalt sitzen gelassen, unerfüllte Ambitionen im Sangesfach und zudem auf die finanzielle und moralische Unterstützung eines Minderjährigen angewiesen – doch Schwermut macht sich nur selten breit.

Die Rolle der blutjungen Claudia Cardinale ist der Antriebsmotor für die tragische Geschichte einer unerfüllten, gepäck2unerfüllbaren Liebe zwischen ihr und dem 16jährigen Lorenzo (Jacques Perrin), der aus wohl situiertem Hause stammt und somit alle monetären Mittel zur Verfügung hat, das „Mädchen mit dem leichten Gepäck“ nach allen Regeln der Kunst zu verwöhnen und ihr somit den Zugang in die Kreise der Schönen und Reichen zu ermöglichen.

Doch gerade diese Fahrkarte in dieses für die junge Aida so erstrebenswerte Reich entwickelt sich für Lorenzo als Fehlinvestition. Die von ihm angehimmelte Schönheit wendet sich zusehends von ihm ab und taucht ein in die von Oberflächlichkeit und Arroganz durchtriebene Gesellschaftsschicht. Doch auch da bleiben ihr Enttäuschungen nicht erspart…

Claudia Cardinale erweist sich in diesem Drama als absoluter Glücksgriff, weiß sie es doch, alleine schon durch ihre natürliche Schönheit das Publikum in ihren Bann zu ziehen. Ob sie schmollt, fröhlich oder tief traurig ist, das Publikum ist immer bei ihr, leidet und freut sich mit ihr. Gerade in jenen Szenen, in denen sie Zugang zum gepäck3italienischen Jet-Set hat und dabei auf reichlich zwielichtige Gestalten trifft, ist sie immer der ruhige, anständige Gegenpol zu all dem, was Zurlini als moralisch verwerflich in dieser Klasse ansieht. Niemals lässt sie sich auf den einen Schritt zuviel ein, der ihr den erhofften Ruhm – zumindest oberflächlich, aus der Laune des Moments heraus – verspricht; eben ganz das brave Mädchen vom Lande…

Ob der schier erschlagenden Präsenz der Cardinale in „Das Mädchen mit dem leichten Gepäck“ gerät gerne in Vergessenheit, dass zu einem positiven Gesamteindruck auch die passenden Gegen- und Mitspieler nötig sind. Und gerade da sollte der junge Jacques Perrin Erwähnung finden, der scheinbar schlafwandlerisch zwischen erwachsener Rationalität und jugendlichem Überschwang wechselt.
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Zurlinis Inszenierung des Ganzen kann man letztlich am treffendsten mit dem Adjektiv aus dem deutschen Titel umschreiben: leicht. Ganz gegensätzlich zu dem, was Aida teilweise durchmachen muss, ist „Das Mädchen mit dem leichten Gepäck“ ein herrlich leichter, beschwingter Film, der rundum dafür ent- oder besser: belohnt, dass man es auch mal mit anderen Namen außer Rossellini, Fellini und co versucht hat… 8/10

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Hellfjord (2012)

HellfjordTitel

Was tun, wenn’s brennt ?

Auf diese Frage gibt die norwegische TV-Miniserie „Hellfjord“ in einer Szene eine besonders skurrile Antwort, die sich nahtlos in das Gesamt-Erscheinungsbild dieses kleinen nordischen TV-Juwels einreiht.

Weil der Polizist Salmander (Zahid Ali) während der Parade zum Nationalfeiertag sein Dienstpferd Gunnar vor den Augen von Hunderten Schaulustigen unter Zuhilfenahme von Dienstwaffe, Tuba als stumpfem Hiebgegenstand und Zivilistenauto von seinem offensichtlich gesundheitsbedingtem Leiden erlösen wollte, ist er für die Osloer Polizei aus Imagegründen nicht mehr haltbar. Da eine dreimonatige Kündigungsfrist besteht, wird er für den Rest seiner Dienstzeit in das abgelegene Hellfjord strafversetzt. Hier hat er laut Meinung seiner Vorgesetzten weder die Möglichkeit, größeren Schaden anzurichten, noch die Chance, in der Ausübung seines Dienstes zu glänzen. Doch die Ereignisse in dem verschlafenen Fischerort überschlagen sich mit seiner Ankunft… Weiterlesen

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Six Hot Chicks in a Warehouse – oder: kickstarter’s waiting for you…

6423eddd786ab165fbc965709a673f11_originalEs ist relativ einfach erklärt: Independent-Regisseur Simon Edwards hat die Eier dazu, das zu realisieren, vor dem jedem Hollywood-Regisseur grauen würde: Er setzt einen Film um, bei dem der Titel schon feststand bevor das Drehbuch überhaupt geschrieben wurde. Und wer bei diesem Titel und der folgenden Ankündigung nicht neugierig wird,…. naja…

A neon soaked ultraviolent grindhouse style horror movie which aims to break your preconceptions.

Die Inhaltsangabe auf imdb.com sollte an und für sich die letzten Zweifel aus dem Weg räumen:

A young model, Mira, is unknowingly drawn by photographer Adrian into a disturbingly calculated scenario with five other models in what is promised as a shoot of a lifetime. As the seemingly innocent mind games of who is using who begins to unravel it becomes clear that the not so normal mind of Adrian himself isn’t all the girls have to worry about.

 

Die Machart sollte unter diesen Voraussetzungen und auch unter Berücksichtigung des Titels jedem Film-Fan klar sein: Hier erwarten wir keinen neuen „Citizen Kane“, hier erwarten wir auch keinen FSK12-gebürsteten Blockbuster à la „Fluch der Karibik“… Nein, hier sollten Genre-Fans einen Film erwarten, der genau in die Kerbe haut, die Filme wie unter anderem „Hobo with a Shotgun“  nach dem Erfolg vom Grindhouse-Double-Feature von Robert Rodriguez und Quentin Tarantino eingeschlagen haben. Das vermeintliche Problem von „SHCIAW“ gegenüber den vorgenannten könnte das Budget sein, doch… dazu gleich „mehr“…

Wenn Simon Edwards das einhält, was er bei kickstarter verspricht, erwartet uns ein Film, der – mit besagtem bescheidenen Budget – den einen oder anderen Männer-Abend bei ein paar Flaschen Bier noch angenehmer gestalten kann…

Ich bin mehr als zuversichtlich, dass Cast und Crew das Beste aus diesem Grundkonzept (,das detailliert unter dem nachfolgenden Link zu sehen ist,) machen, weshalb ich auch gerne die kickstarter-Kampagne zu diesem Film unterstützt habe.

Umso mehr freut es mich, dass ich Regisseur Simon Edwards dazu bewegen konnte, einem Interview mit kruchtenkaiser.com zuzustimmen, dem Hauptdarstellerin Jessica Messenger laut seiner Ankündigung auch noch ein paar Worte beisteuern wird.

Dieses Interview folgt in Kürze (vorerst nur auf englisch).

Wer also auf Independent-Filme steht, dem sei der folgende Link und der „Griff“ (egal in welcher Größenordnung) in die Kreditkarte nahe gelegt:

Kickstarter-Kampagne

Die letzten Glühwürmchen (1988)

Die letzten GlühwürmchenIm Oktober 2005 ist mir einer jener seltenen Momente im Leben eines Cineasten widerfahren, in denen man durch puren Zufall einen seiner Lieblingsfilme kennen lernt. Es war zu einer Zeit, in der ich unerklärliche Berührungsängste zum asiatischen Kino im Allgemeinen und zum Anime-Genre im Speziellen hatte. Und nichtsdestotrotz habe ich mich auf das Abenteuer „Die letzten Glühwürmchen“ eingelassen. Es war einer der Momente in meinem Leben, in denen ich feststellte, dass man die „Furcht“ vor (dem) Fremden hinter die eigenen Ressentiments stellen muss, um sein eigenes Leben und das jener im direkten Umfeld um zahlreiche Facetten zu bereichern.

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Verjährung (2013)

BD-Cover_VerjaehrungSpätestens seit „Oldboy“ aus dem Jahre 2003 wissen Cineasten aus aller Welt, dass das koreanische Kino immer einen Blick wert ist. Gerade im Thriller-Genre konnte sich die südkoreanische Filmfabrik einen Namen machen, der sich unter anderem mit dem hervorragenden Thriller „Hide and Seek“ manifestieren konnte. Mit seinem Debut-Werk „Verjährung“ ist Regisseur und Drehbuchautor Geun-seop Jeong in jeglicher Hinsicht ein cineastisches Feuerwerk gelungen, das sich hinter Werken aus der Traumfabrik Hollywood nicht verstecken muss.

15 Jahre ist es her, dass die Tochter von Ha-kyung entführt und getötet wurde. Ein Fall, den sowohl die junge Mutter als auch Detective Cheong-ho nie losgelassen hat. Ein Fall, der kurz vor der Verjährungsfrist noch immer nicht gelöst ist. Mit Ablauf der Verjährungsfrist ereignet sich ein weiterer Entführungsfall eines jungen Mädchens, der erstaunliche Parallelen zum 15 Jahre zurück liegenden Fall aufweist. Es beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit. Kann das Leben des entführten Mädchens gerettet werden und damit unter Umständen zugleich der Täter des verjährten Falles überführt werden?

Szenenfoto 1Geun-seop Jeong fesselt mit einer Story, die vor überraschenden Wendungen und grandiosen erzählerischen Kniffen nur so strotzt. In düstere, teils unterkühlt wirkende Bilder gewandet, entwickelt sich dieser Korea-Thriller nach einem vielleicht etwas zu lang geratenen und mitunter etwas verwirrenden Prolog doch noch rasant hin zu seinen zahlreichen Höhepunkten und steigert sich bis hin zu seiner überraschenden Auflösung der gesehenen Vorfälle. Als Zuschauer erwischt man sich immer wieder dabei, kopfschüttelnd auf dem Sofa zu sitzen, wenn man wieder einmal erkennen muss, dass man auf die falsche Fährte gebracht wurde. So ist es auch nicht verwunderlich, dass „Verjährung“ trotz seiner mit 116 Minuten vielleicht etwas zu lang geratenen Laufzeit durchweg kurzweilig bleibt.

Szenenfoto 3Aus den soliden bis sehr guten schauspielerischen Leistungen sticht eindeutig Jeong-hwa Eom in ihrer Rolle als leidende Mutter Ha-kyung hervor, die auch vollkommen zurecht im Jahre 2013 mit dem Blue Dragon Award als Beste Darstellerin für ihre Leistung in „Verjährung“ ausgezeichnet wurde. Lediglich ein paar unpassend wirkende humoristische Einlagen, die als verzweifelter Versuch, etwas Lockerheit in das düstere Sujet zu bringen, gewertet werden können, trüben den ansonsten guten Gesamteindruck von „Verjährung“.

Für Freunde des gepflegten Thrillers sei hier eine ganz klare Empfehlung ausgesprochen. „Verjährung“ ist ein kleines Juwel, das hoffentlich noch die Beachtung findet, die es verdient.

„Verjährung“ ist am 02.05.2015 von Edel:Motion Film auf Blu-Ray und DVD veröffentlicht worden. Dieser Rezension lag die BluRay-Version zugrunde, die bild- und tontechnisch mehr als zu überzeugen weiß.

Durchgehört: Kid Rock – First Kiss

First Kiss ( (c) www.kidrock.com )

Kid Rock – First Kiss (www.kidrock.com)

And now these days when I drive through a small town I turn my stereo up and roll my windows down ’Cause it reminds me of my first kiss And those days that I always miss Tom Petty on the radio Going steady with nowhere to go

Nach etwas mehr als zwei Jahren Pause wartet der American-White-Trash-Redneck-Country-Rocker Kid Rock mit „First Kiss“ mit einem neuen Album auf und liefert damit grundsoliden alten Wein in neuen Schläuchen ab.

Kid Rock erinnert in seinem Titel-gebenden Opener „First Kiss“ sowohl textlich als auch musikalisch stark an Bryan Adams und dessen Klassiker „Summer of ’69“ aus dem Jahre 1984. Auch 30 Jahre später funktioniert das Grundrezept des leicht melancholischen, verklärten Blickes zurück auf die eigene Jugend und die erste Jugendliebe, kann sich doch jeder Zuhörer in ebensolchen Texten in irgendeiner Art und Weise wiederfinden und in Erinnerungen schwelgen. „First Kiss“ ist damit auch ein würdiger Start in das gleichnamige Album, wenngleich sich das Kultpotential dieses Songs im direkten Vergleich mit dem „großen Bruder“ wohl eher in Grenzen halten dürfte.

Auch dem gesamten Album kann man das große Kultpotential im Großen und Ganzen in Abrede stellen. Und dennoch ist „First Kiss“ ein hörenswertes Album geworden. Weiterlesen

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Das Leben ist nichts für Feiglinge (2012)

Das Leben ist nichts für FeiglingeVerlust, Trauer, Trauerbewältigung. Schwierige Themen, mit denen sich ein jeder mindestens einmal in seinem Leben befassen muss. Es sind diese schwierigen Themen, bei denen es des Fingerspitzengefühls von Filmschaffenden bedarf, um diese in angemessener Form auf die Leinwand zu bringen. Regisseur André Erkau ist dies mit der Adaption von Gernot Grickschs Roman Das Leben ist nichts für Feiglinge auf herausragende Art und Weise gelungen.

Markus Färber (Wotan Wilke Möhring) muss den völlig überraschenden Tod seiner Ehefrau verarbeiten. Während er versucht, das Leben wieder in halbwegs geordnete Bahnen zu bringen, zieht sich seine Tochter Kim (Helen Woigk) immer mehr zurück. Doch das Leben der nun unter starker Zerrissenheit und fortschreitender Entfremdung leidenden kleinen Familie muss mit einem weiteren Schicksalsschlag kämpfen. Großmutter Gerlinde (Christine Schorn) leidet unter Darmkrebs. Derweil verliebt sich Kim in den Rebellen Alex (Frederick Lau), mit dem sie schließlich in der Hoffnung, in ihm Stärke und Rückhalt zu finden, nach Dänemark durchbrennt. Gemeinsam mit seiner Mutter und ihrer Krankenpflegerin Paula (Rosalie Thomass) macht sich Markus auf die Suche nach seiner Tochter.

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