Durchgehört: AC/DC – Rock or Bust

AC/DC – Rock or Bust (Quelle/Copyright: acdc.com)

In rock we trust – it’s rock or bust

Da ist es also wieder. Das Hardrock/Blues-Rock/Rock`n`Roll-Quintett aus Downunder. In neuer Besetzung, mit altbewährter Rezeptur.

Mit dem Gründungsmitglied, und der neben seinem Bruder Angus einzigen durchgängigen Konstante in der Bandgeschichte, Malcolm Young verlor die Band den begnadeten „Sound-Antrieb“ an der Rhythmus-Gitarre, der AC/DC zu ihrem unvergleichbaren 3-Akkorde-Sound verhalf. Die Zweifel, ob Malcolms & Angus‘ Neffe Stevie in die Fußstapfen seines – gerade einmal 3 Jahre älteren – Onkels treten kann, müssen nach „Erstdegustierung“ von „Rock or Bust“ im Keim erstickt werden. Selbst wenn die Vermutung aufkommen könnte, dass dieses oder jenes Riff, das wir auf „Rock or Bust“ hören, hineingeschnittene Archiv-Aufnahmen aus der aktiven Zeit von Malcolm Young sein könnten, bleibt vor allen Dingen in Hinblick auf die anstehende Welt-Tournee die Hoffnung, dass Malcolms Einschätzung gegenüber seinem Neffen ob der Fähigkeit, ihn adäquat zu ersetzen nicht an den Haaren herbei gezogen ist (und immerhin konnte Stevie bereits auf der 88er US-Tour sein Talent als Malcolm-Ersatz unter Beweis stellen).

„Rock or Bust“ schafft bereits mit dem ersten – titelgebenden – Song das, was von Angus Young einst als Prämisse für sämtliche AC/DC-Songs gesetzt wurde: Schon nach den ersten 5 Sekunden erkennt man, dass man es mit einem Song von AC/DC zu tun hat. Die ersten Akkorde sind so AC/DC-typisch, dass kritische Zeitgenossen sicherlich mit Prädikaten wie „Alter Wein in neuen Schläuchen“ aufwarten werden. Die Fans jedoch werden mit dem ersten Akkord die Rückkehr ihrer Helden zelebrieren und erst mit dem Schlussakkord des 11 Titel umfassenden Albums die Feierlichkeiten beenden.

Dass die beiden stärksten Titel des Albums („Rock or Bust“ und „Play Ball“) als Track 1 und 2 bereits zu Beginn der Platte „verbraten“ werden und die restlichen 9 Titel sich nur schwerlich als herausragende AC/DC-Songs bezeichnen lassen, fällt erst bei der Zweit- bzw. Dritt-„Anhörung“ so richtig auf. Klanglich gibt es – wie so oft und eigentlich schon gewohnt – nur  wenige Variationen im Studio-Schaffen der Australier. Dies ist sicherlich auch – erfreulicherweise – dem Mitwirken Malcolm Youngs am gesamten Album geschuldet. Die Texte sind eingänglich, simpel gehalten, oftmals etwas zu simpel, schon fast mit dem Kalkül der Mitgröhlbarkeit geschrieben, also: typisch AC/DC. Und Brian Johnson zeigt auch mit 67 Jahren noch keine stimmlichen Ermüdungserscheinungen, klingt noch immer so, wie man ihn seit Jahrzehnten kennt. Man kann im Falle von „Rock or Bust“ definitiv (wieder einmal) sagen: Wo AC/DC drauf steht, ist auch AC/DC drin. Und das macht das Album trotz der wenigen Höhepunkte zu dem, was es ist: einen guten Genre-Vertreter.

Doch wo ist „Rock or Bust“ jetzt in der Bandgeschichte einzuordnen? Ist es mit „Back in Black“ (1980) vergleichbar, dem ersten Album nach dem Tod des Leadsängers Bon Scott und dem ersten mit der „neuen“ Stimme AC/DCs Brian Johnson? Jenem Album, das also ebenso wie jetzt „Rock or Bust“ durch einen Umbruch in der charakteristischen Besetzung der Band begleitet wurde? Jenem Album, das Musikgeschichte schrieb und – zumindest für mich – das stärkste Studioalbum der Bandgeschichte darstellt? Oder reiht es sich ein in die Riege der musikalischen Blaupausen des künstlerischen Schaffens der Band wie beispielsweise das Vorgängeralbum „Black Ice“? Jenem Album, das altbewährte Klangmodelle neu gewandet und mit „Rock’n’Roll Train“ nur einen Song mit tatsächlichem „Kultpotential“ geliefert hat?

Die Einordnung fällt trotz der zuvor  genannten „Kritikpunkte“ schwer. Sicherlich erfindet „Rock or Bust“ das AC/DC-Rad nicht neu, aber diesen Anspruch werden die 5 (bzw. mit Malcolm 6) Australier definitiv auch nie verfolgt haben. Für die Band besteht mit „Rock or Bust“ und der darauf folgenden Tournee die große Chance, aus der Not eine Tugend zu machen, sich „neu“ zu ordnen und mit der Neubesetzung an der Rhythmus-Gitarre zumindest noch für einige Jahre erfolgreich das Karriere-Ende einzuläuten. Oder aber die aktuelle Konstellation als abschließenden Punkt der Bandgeschichte anzusehen und es bei einem 15. und  letzten Studio-Album zu belassen.

Beide Varianten sind in ihrer Art und Weise wünschenswert. Wenn jedoch der Output der Band konstant so gering bleibt wie zuletzt (8 bzw. 6 Jahre Pause zwischen den Album-Releases), bleibt den Fans – und der Band – nur eines übrig: Der eindringliche Wunsch, dass mit „Rock or Bust“ das musikalische Wirken von AC/DC ein – zwar nicht herausragendes, aber würdiges – Ende findet. Dies würde den 5 Veteranen dann auf jeden Fall das garantieren, was vielen anderen verwehrt blieb: ein würdiges Karriere-Ende und die Aussicht auf einen Lebensabend mit Sex, Drugs und Erinnerungen an richtig guten (Hard-/Blues-)Rock’n’Roll.

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