Durchgehört: Olli Schulz – Feelings aus der Asche

Olli Schulz – Feelings aus der Asche (www.ollischulz.com)

Als Musik noch richtig groß war
und ich klein und unbedarft,
sangen Lieder, die mein Trost warn
mich jede Nacht in meinen Schlaf

Mein erstes Aufeinandertreffen mit Olli Schulz ereignete sich im Rahmen eines Ärzte-Konzerts im Jahre 2004 im Strandbad Losheim am See. „Olli Schulz und der Hund Marie“ spielten im Vorprogramm der „besten Band der Welt“ und ich dachte im ersten Moment nur: „Was’n das für’n Vogel…“. Doch er wusste zu fesseln, er wusste Geschichten zu erzählen, die mal zum schmunzeln, mal zum nachdenken anregten. Kurze Zeit später hielt Ollis & Maries Album „Brichst Du mir das Herz, dann brech‘ ich Dir die Beine“ Einzug in meine CD-Sammlung und bereits damals zeigte sich Ollis wundervolle Gabe, aus kleinen Dingen große Geschichten zu machen und diese musikalisch zu erzählen.

Dem breiten Publikum ist Olli Schulz zwischenzeitlich als Blödel-Sidekick von Joko und Klaas ein Begriff. Doch ein Blick über den Halli-Galli-Tellerrand sollte niemandem schaden. Vor allen Dingen, wenn einen dort so wundervolle Werke wie „Feelings aus der Asche“ erwarten.

War das Vorgänger-Album „SOS – Save Olli Schulz“ bereits ein Lichtblick in der deutschsprachigen Musik, setzt Olli mit „Feelings aus der Asche“ noch einen drauf und haut eine Platte raus, die durchweg hörenswert ist.

Bereits wenn der Opener „So muss es beginnen“ in den Schluss-Akkorden nachschwingt, wird dem Zuhörer unterbewusst klar, dass dies der Beginn eines Monsters von Album ist.

Und meine Helden sind alt,
Meine Träume dahin,
Ich weiß nicht, wie es aufhört,
Aber so muss es beginnen.

Treffender kann ein Opener nicht sein. Der „Held“ Olli Schulz ist (ge)alt(ert). Doch dies ist keineswegs negativ zu werten. Olli Schulz ist im Alter gereift. Nur wenige locker-klamaukige Textzeilen finden sich auf „Feelings aus der Asche“ wieder, es überwiegt eine melancholische, aber keineswegs „zu-Tode-betrübte“ Grundstimmung, die durch gelegentliche Auflockerungen („Dschungel“, „Passt schon“, „Das kann hässlich werden“) durchbrochen wird. Wir wissen nicht, wie es aufhört, aber genau so muss es beginnen.

Olli Schulz erzählt Geschichten, und alle hören gebannt zu. Erzählend, schwelgend, nachdenkend hangelt er sich von Song zu Song und lässt den Zuhörer alles um sich herum vergessen. Erster Höhepunkt unter diesen vielen Höhen ist dann „Als Musik noch richtig groß war“. Die Geschichte darüber, wie jener Songwriter, dem wir nun lauschen dürfen, seine Liebe zur Musik entwickelte, was er damit verband und was er noch immer damit verbindet. Hörenswert in jeglicher Hinsicht.

Denn du lässt dich jetzt trösten,
von einem Kerl, der dich nicht kennt.
Im Aschenbecher liegt dein Foto
und ich seh zu wie es verbrennt.
Und hol die Hand aus meiner Tasche
und zieh die Feelings aus der Asche.

Mit dem weiteren Highlight des Albums, dem titelgebenden Schluss-Song „Feelings aus der Asche“ verabschiedet Olli Schulz seine Zuhörer in die Stille… Eine Stille, die nach diesem hervorragenden Album nur durch eines durchbrochen werden kann: dem Zeigefinger auf der „Play-Taste“ und dem Album „Feelings aus der Asche“ in Dauerschleife. Denn:

Ich weiß nicht, wie es aufhört,
Aber so muss es beginnen.

Danke, Olli Schulz, für Musik, die von Herzen kommt und zu Herzen geht. Danke für „Feelings aus der Asche“

Getaggt mit , , , , ,

4 Gedanken zu „Durchgehört: Olli Schulz – Feelings aus der Asche

  1. Heiko Schaal sagt:

    Hallo Michael,
    da hast du aber einen Musiknerv bei mir getroffen.Tolle Texte zu mal leichter, mal anspruchsvoller und mal launischer Musik.
    Hör doch auch mal das letzte Album von Billy Idol: Kings & Queens of the Underground
    Das Comeback 2014. Hat mich echt umgehauen.
    Gruß Heiko

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  2. Die Text von Olli Schulz sind großartig. Der ist auch einer meiner Lieblingssänger und von seinem neustem Albung „Feeling aus der Asche“ bin ich richtig infiziert.

    Was ich sonst noch über Olli denke, habe ich on meiner DVD-Kritik auf meinem Filmblog geschrieben. Dort erzähle ich, warum sich ein Reinschauen in sein Life-Programm „SOS – Showman Ollie Schulz“ lohnt: http://filmaffe.de/sos-showman-olli-schulz-2012/

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    • Olli Schulz lohnt sich immmer… Punkt! Ausrufezeichen! 😉 Die DVD kenne ich zwar nicht, ist aber auf meiner Watchlist weit vorne… „Feelings aus der Asche“ ist btw noch weiterhin in vielen Punkten mein Favorit in puncto deutschsprachiger Musik der letzten Jahre & hat ein permanentes Heimspiel auf meinem USB-Stick im Auto 🙂

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