Archiv der Kategorie: Kritiken

Das Mädchen mit dem leichten Gepäck (1961)

gepäck1Roberto Rossellini, Luchino Visconti, Federico Fellini… bei all den großen Namen, die das italienische Kino gerade zu Zeiten des aufkeimenden Neorealismus und darüber hinaus zu Tage brachte, vergisst man doch allzu gerne, auch einmal den Blick weg von den Größen des Geschäfts und hin zu heutzutage schon fast vergessenen Filmemachern schweifen zu lassen. Beispielsweise zu einem Mann namens Valerio Zurlini, der sich zwar nicht durch einen allzu hohen Output an Filmen auszeichnete, dafür aber die eine oder andere Glanzleistung auf Zelluloid bannte.

„Das Mädchen mit dem leichten Gepäck“ ist eine dieser „unentdeckten Perlen“, die im Meer des italienischen Films nur darauf warten, entdeckt zu werden. Zurlini bewegt sich in dieser Tragikomödie aus dem Jahre 1960 gewissermaßen auf den Pfaden des im gleichen Jahr erschienenen Fellini-Meisterwerkes „La Dolce Vita“, kopiert dabei jedoch genauso wenig wie er versucht, seine Geschichte der jungen Aida (Claudia Cardinale) allzu schwermütig erscheinen zu lassen.

Es scheint zwar, als sei das Leben der jungen Sängerin alles andere als leicht – von ihrem letzten Liebhaber eiskalt sitzen gelassen, unerfüllte Ambitionen im Sangesfach und zudem auf die finanzielle und moralische Unterstützung eines Minderjährigen angewiesen – doch Schwermut macht sich nur selten breit.

Die Rolle der blutjungen Claudia Cardinale ist der Antriebsmotor für die tragische Geschichte einer unerfüllten, gepäck2unerfüllbaren Liebe zwischen ihr und dem 16jährigen Lorenzo (Jacques Perrin), der aus wohl situiertem Hause stammt und somit alle monetären Mittel zur Verfügung hat, das „Mädchen mit dem leichten Gepäck“ nach allen Regeln der Kunst zu verwöhnen und ihr somit den Zugang in die Kreise der Schönen und Reichen zu ermöglichen.

Doch gerade diese Fahrkarte in dieses für die junge Aida so erstrebenswerte Reich entwickelt sich für Lorenzo als Fehlinvestition. Die von ihm angehimmelte Schönheit wendet sich zusehends von ihm ab und taucht ein in die von Oberflächlichkeit und Arroganz durchtriebene Gesellschaftsschicht. Doch auch da bleiben ihr Enttäuschungen nicht erspart…

Claudia Cardinale erweist sich in diesem Drama als absoluter Glücksgriff, weiß sie es doch, alleine schon durch ihre natürliche Schönheit das Publikum in ihren Bann zu ziehen. Ob sie schmollt, fröhlich oder tief traurig ist, das Publikum ist immer bei ihr, leidet und freut sich mit ihr. Gerade in jenen Szenen, in denen sie Zugang zum gepäck3italienischen Jet-Set hat und dabei auf reichlich zwielichtige Gestalten trifft, ist sie immer der ruhige, anständige Gegenpol zu all dem, was Zurlini als moralisch verwerflich in dieser Klasse ansieht. Niemals lässt sie sich auf den einen Schritt zuviel ein, der ihr den erhofften Ruhm – zumindest oberflächlich, aus der Laune des Moments heraus – verspricht; eben ganz das brave Mädchen vom Lande…

Ob der schier erschlagenden Präsenz der Cardinale in „Das Mädchen mit dem leichten Gepäck“ gerät gerne in Vergessenheit, dass zu einem positiven Gesamteindruck auch die passenden Gegen- und Mitspieler nötig sind. Und gerade da sollte der junge Jacques Perrin Erwähnung finden, der scheinbar schlafwandlerisch zwischen erwachsener Rationalität und jugendlichem Überschwang wechselt.
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Zurlinis Inszenierung des Ganzen kann man letztlich am treffendsten mit dem Adjektiv aus dem deutschen Titel umschreiben: leicht. Ganz gegensätzlich zu dem, was Aida teilweise durchmachen muss, ist „Das Mädchen mit dem leichten Gepäck“ ein herrlich leichter, beschwingter Film, der rundum dafür ent- oder besser: belohnt, dass man es auch mal mit anderen Namen außer Rossellini, Fellini und co versucht hat… 8/10

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Hellfjord (2012)

HellfjordTitel

Was tun, wenn’s brennt ?

Auf diese Frage gibt die norwegische TV-Miniserie „Hellfjord“ in einer Szene eine besonders skurrile Antwort, die sich nahtlos in das Gesamt-Erscheinungsbild dieses kleinen nordischen TV-Juwels einreiht.

Weil der Polizist Salmander (Zahid Ali) während der Parade zum Nationalfeiertag sein Dienstpferd Gunnar vor den Augen von Hunderten Schaulustigen unter Zuhilfenahme von Dienstwaffe, Tuba als stumpfem Hiebgegenstand und Zivilistenauto von seinem offensichtlich gesundheitsbedingtem Leiden erlösen wollte, ist er für die Osloer Polizei aus Imagegründen nicht mehr haltbar. Da eine dreimonatige Kündigungsfrist besteht, wird er für den Rest seiner Dienstzeit in das abgelegene Hellfjord strafversetzt. Hier hat er laut Meinung seiner Vorgesetzten weder die Möglichkeit, größeren Schaden anzurichten, noch die Chance, in der Ausübung seines Dienstes zu glänzen. Doch die Ereignisse in dem verschlafenen Fischerort überschlagen sich mit seiner Ankunft… Weiterlesen

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Die letzten Glühwürmchen (1988)

Die letzten GlühwürmchenIm Oktober 2005 ist mir einer jener seltenen Momente im Leben eines Cineasten widerfahren, in denen man durch puren Zufall einen seiner Lieblingsfilme kennen lernt. Es war zu einer Zeit, in der ich unerklärliche Berührungsängste zum asiatischen Kino im Allgemeinen und zum Anime-Genre im Speziellen hatte. Und nichtsdestotrotz habe ich mich auf das Abenteuer „Die letzten Glühwürmchen“ eingelassen. Es war einer der Momente in meinem Leben, in denen ich feststellte, dass man die „Furcht“ vor (dem) Fremden hinter die eigenen Ressentiments stellen muss, um sein eigenes Leben und das jener im direkten Umfeld um zahlreiche Facetten zu bereichern.

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Das Leben ist nichts für Feiglinge (2012)

Das Leben ist nichts für FeiglingeVerlust, Trauer, Trauerbewältigung. Schwierige Themen, mit denen sich ein jeder mindestens einmal in seinem Leben befassen muss. Es sind diese schwierigen Themen, bei denen es des Fingerspitzengefühls von Filmschaffenden bedarf, um diese in angemessener Form auf die Leinwand zu bringen. Regisseur André Erkau ist dies mit der Adaption von Gernot Grickschs Roman Das Leben ist nichts für Feiglinge auf herausragende Art und Weise gelungen.

Markus Färber (Wotan Wilke Möhring) muss den völlig überraschenden Tod seiner Ehefrau verarbeiten. Während er versucht, das Leben wieder in halbwegs geordnete Bahnen zu bringen, zieht sich seine Tochter Kim (Helen Woigk) immer mehr zurück. Doch das Leben der nun unter starker Zerrissenheit und fortschreitender Entfremdung leidenden kleinen Familie muss mit einem weiteren Schicksalsschlag kämpfen. Großmutter Gerlinde (Christine Schorn) leidet unter Darmkrebs. Derweil verliebt sich Kim in den Rebellen Alex (Frederick Lau), mit dem sie schließlich in der Hoffnung, in ihm Stärke und Rückhalt zu finden, nach Dänemark durchbrennt. Gemeinsam mit seiner Mutter und ihrer Krankenpflegerin Paula (Rosalie Thomass) macht sich Markus auf die Suche nach seiner Tochter.

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Die Pinguine aus Madagascar (2014)

Die Pinguine aus Madagascar (Fox / Dreamworks)

Die Pinguine aus Madagascar (Fox / Dreamworks)

Davon können die meisten Schauspieler in der Traumfabrik Hollywood nur träumen: Karrierestart als Nebendarsteller in einem dreiteiligen Kino-Franchise, anschließend die erste eigene TV-Serie und nun der erste Kinofilm als Hauptdarsteller. Ganz klar: Skipper, Kowalski, Rico und Private haben einen kometenhaften Aufstieg hinter sich und eine Bilderbuch-Karriere hingelegt.

Es stellt sich zwangsläufig die Frage: Ist den vier possierlichen Frackträgern ihr Debüt als Hauptdarsteller in einem abendfüllenden Film gelungen oder erleidet ihre Karriere mit „Die Pinguine aus Madagascar“ einen jähen Dämpfer? Weiterlesen

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Daniel, der Zauberer (2004)

daniel plakat1890 – Thomas Alva Edison erfindet den Kinematograph. Einige Zeit später entwickeln die Gebrüder Lumière ihren Cinématographe, der es ermöglicht, auch größeren Gruppen einen Film vorzuführen. Der Siegeszug des Mediums „Film“ beginnt… Weiterlesen

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Fröhliche Weihnachten (1983)

weihnachten 15 Wochen vorm Weihnachtsfest darf man, nachdem man sich bereits 3 Monate lang mit Lebkuchenherzen, Pfeffernüssen, Dominosteinen, Spekulatius und Christstollen in die richtige Weihnachtsstimmung gefressen hat, auch mal den ein oder anderen Wunsch für Weihnachten äussern…

Okay: Weltfrieden, Heilmittel für alle erdenklichen Krankheiten, Trinkwasser und Nahrungsmittel für alle sind definitiv die Wünsche, die am wichtigsten, aber auch am schwierigsten zu erfüllen sind… In diesem Jahr begnüge ich mich mit einem Wunsch an die DVD-Labels und Fernsehstationen dieser Nation:

Kann es echt so schwierig sein, einen der absoluten Klassiker des Genres Weihnachtsfilm einfach mal auf DVD zu veröffentlichen oder wenigstens noch einmal irgendwo im Nachmittagsprogramm zu senden? Echt? Weiterlesen

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The Butler (2013)

butler poster

Finsternis kann keine Finsternis vertreiben.
Das gelingt nur dem Licht.

Martin Luther King jr. (1929 – 1968)

Der wohl bekannteste Vertreter der US-amerikanischen Bürgerrechtsbewegung der 50er und 60er Jahre soll uns nicht nur durch dieses eingeblendete Zitat zu Beginn von „The Butler“ begegnen, sondern einige Zeit später auch am maßgeblichen Fortgang der Handlung des neuesten Filmes von Lee Daniels („Precious“) teilhaben. Wie das in Einklang zu bringen ist mit einem grob als Biopic über einen im Weißen Haus tätigen Butler zu bezeichnenden Film? Dies ist der „Kreativität“ von Regisseur Daniels und Drehbuchautor Danny Strong zuzuschreiben. Weiterlesen

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Ninotschka (1939)

ninotschka

„Wie ist die Stimmung in Moskau?“ – „Vorzüglich. Die letzten Massenhinrichtungen waren ein großer Erfolg. Es gibt wieder weniger, aber bessere Russen.“

Eine Aussage, die wie ein Hieb in die Magengrube daher kommt. Eine Aussage, die man so niemals in einer Liebeskomödie erwartet hätte. Eine Aussage, die herrlich sachlich-nüchtern von „der Göttlichen“ Greta Garbo vorgetragen wird und nach ihrer Charakterentwicklung als Ninotschka noch absurder wirkt als zuvor.

ninotschka2Im Jahr 1939, nur wenige Monate vor dem Beginn des Zweiten Weltkriegs, inszenierte Ernst Lubitsch das Aufeinandertreffen zweier Ideologien in Form der Liebeskomödie Ninotschka. Es trifft das „Savoir-vivre“ des kapitalistischen Frankreichs in Person von Graf Léon D’Algout (Melvyn Douglas) auf die unterkühlte und sachliche Systemtreue der kommunistischen Sowjetunion in Person von Genossin Ninotschka Yakushova (Greta Garbo). Wie sich dieses Aufeinandertreffen letzten Endes gestaltet und welche Ideologie als „Sieger“ aus diesem kleinen „Wettkampf“ hervorgeht, dürfte aufgrund des Genres und des Produktionslandes nur schwerlich zu erraten sein. Und dennoch gelingt es Lubitsch, die Liebesgeschichte nicht zu seicht werden zu lassen und zugleich werden überraschenderweise auch ein paar augenzwinkernde Seitenhiebe gegen den Kapitalismus gesetzt. Weiterlesen

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