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Tarzan, der Herr des Urwalds (1932)

tarzantitelAls das „All-Story-Magazine“ im Oktober 1912 Edgar Rice Burroughs’ Geschichte „Tarzan bei den Affen“ („Tarzan of the Apes“) veröffentlichte, konnte wohl noch niemand erahnen, welcher Boom um den Affenmenschen entstehen sollte. Und doch gab es bereits erste Anzeichen dafür, dass der Dschungelheld der Familie Burroughs den erhofften finanziellen Erfolg bescheren sollte: Begierig verschlang die Leserschaft die Geschichten Burroughs’ und so sollte es auch nicht lange dauern bis das noch junge Hollywood die Möglichkeiten dieses Stoffes für sich entdeckte und an die Tür des Literaten klopfte, um schließlich 1918 den ersten „Tarzan“-Streifen (Elmo Lincoln in der Rolle des Titel-Helden) auf die noch stummen Leinwände zu bringen. Heute, fast 100 Jahre, nahezu 100 Verfilmungen und unzählige Print-Publikationen später, hat sich „Tarzan“ als eine der bekanntesten Figuren der Filmgeschichte etabliert.

Doch es sollten nicht die frühen, stummen Gehversuche des Affenmenschen sein, die dem Stoff seinen heutigen Kultstatus bescheren sollten: Erst mit MGMs „Tarzan the Ape Man“, dem ersten Auftritt Johnny Weissmüllers und dem ersten Erklingen des legendären Dschungelschreis wurde 1932 das bereits begonnene Fundament für Tarzans Erfolg fertig gegossen.

„Meinen Dschungelschrei lernte ich von meinen Vorfahren. Die gingen an den Wochenenden immer ins Gebirge, in the mountains – jodeling.“

Dass seine österreichisch-ungarischen Wurzeln ihm eines Tages sein ganz besonderes Markenzeichen bescherentarzan1 sollten, hätte Weissmüller wohl vor allen Dingen zu Zeiten seiner Schwimmer-Karriere (u.a. 5 olympische Goldmedaillen) nie erwartet. Der Dschungelschrei ist das, was die meisten mit der Filmfigur „Tarzan“ verbinden, noch ehe der Name Weissmüller überhaupt einmal fällt, und genau dieser Dschungelschrei passt auch perfekt in das Bild, das man heute wie damals vom Affenmenschen hat: er symbolisiert die Stärke eines fernab von jeglicher Zivilisation befindlichen Wesens, eines Wesens, dessen humane Wurzeln offensichtlich sind und bei dem doch die animalischen Züge scheinbar überwiegen und eine sonderbare Faszination ausüben.

Eine Faszination, der sich auch die junge Jane Parker (Maureen O’Sullivan) nicht entziehen kann. Sie ist gemeinsam mit ihrem Vater auf der Suche nach einem Elefantenfriedhof, als sie plötzlich von Tarzan „entführt“ und in seine Behausung gebracht wird. Aus anfänglicher Furcht vor dem fremden Wesen entwickelt sich eine freundschaftliche, liebevolle Zuneigung und Jane muss sich entscheiden, ob sie mit ihrem Vater und seinen Begleitern den Weg zurück in die Zivilisation beschreitet oder einem Leben im Dschungel entgegen blicken möchte…

„Me Tarzan, you Jane!“

Bei diesen ersten Worten Tarzans kann man bereits die ersten zarten Bande erkennen, die sich zwischen ihm und seiner angebeteten Jane entwickeln, und wer kann ihm auch verdenken, dass er sich in die junge Abenteurer-Tochter verliebt? Die hübsche Irin Maureen O’Sullivan erscheint als perfekte Besetzung der Jane und bot den männlichen Zuschauern der 30er Jahre für damalige Maßstäbe anrüchig viel nackte Haut, ein Umstand, der noch zusätzliche Zuschauer in die Lichtspielhäuser locken sollte.

VIENNALE-ARCHIVDas Anrüchige und der doch recht naive Plot bewogen schließlich seinerzeit auch die Kritiker dazu, „Tarzan the Ape Man“ als unbedeutendes, allenfalls mittelmäßiges Schaffenswerk abszustempeln. Und wenn man sich die Mühe macht, den Film auf eine gehalt- und anspruchsvolle Botschaft hin abzuklopfen, wie es damals die großen Rezensenten auch taten, könnte man recht schnell zum gleichen Urteil wie die damaligen Kritiker kommen. Doch wollte die „Tarzan“-Reihe überhaupt jemals anspruchsvolle Kost bieten? Betrachtet man „Tarzan, der Affenmensch“ frei von jeglichem Anspruch, eine Botschaft extrahieren zu wollen, erkennt man auch, was dieser Film sein wollte und letztendlich auch ist: „Popcorn-Kino“ in seiner Ur-Form, ein Film, der seinem Publikum die Möglichkeit bot (und weiterhin bietet), für 90 Minuten die „Flucht“ aus dem Alltag hinein in fremde Welten anzutreten.

Wenn Tarzan mit Tigern und Löwen ringt oder er dem gemeinsamen Badespaß mit Jane frönt, kann sich der heutige Zuschauer ebenso fesseln und unterhalten lassen wie der Zuschauer im Jahre 1932. Man kann zwar nicht abstreiten, dass einer der größten Kritikpunkte an „Tarzan, der Affenmensch“ (die stumme Opfer-Rolle der afrikanischen Schauspieler) vor allen Dingen dem heutigen Betrachter sauer aufstoßen kann, aber gerade bei einem solch anspruchslosen Film sollte man so etwas nicht allzu stark ins Gewicht fallen lassen. Das, was sich dem Zuschauer dann bietet, wenn er sich vollends auf die abenteuerliche Geschichte einlässt, ist zwar bei weitem kein Meilenstein der Filmgeschichte, aber immerhin wundervolle Unterhaltung… und mehr wollte „Tarzan, der Affenmensch“ auch nie sein…

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Fröhliche Weihnachten (1983)

weihnachten 15 Wochen vorm Weihnachtsfest darf man, nachdem man sich bereits 3 Monate lang mit Lebkuchenherzen, Pfeffernüssen, Dominosteinen, Spekulatius und Christstollen in die richtige Weihnachtsstimmung gefressen hat, auch mal den ein oder anderen Wunsch für Weihnachten äussern…

Okay: Weltfrieden, Heilmittel für alle erdenklichen Krankheiten, Trinkwasser und Nahrungsmittel für alle sind definitiv die Wünsche, die am wichtigsten, aber auch am schwierigsten zu erfüllen sind… In diesem Jahr begnüge ich mich mit einem Wunsch an die DVD-Labels und Fernsehstationen dieser Nation:

Kann es echt so schwierig sein, einen der absoluten Klassiker des Genres Weihnachtsfilm einfach mal auf DVD zu veröffentlichen oder wenigstens noch einmal irgendwo im Nachmittagsprogramm zu senden? Echt? Weiterlesen

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Ninotschka (1939)

ninotschka

„Wie ist die Stimmung in Moskau?“ – „Vorzüglich. Die letzten Massenhinrichtungen waren ein großer Erfolg. Es gibt wieder weniger, aber bessere Russen.“

Eine Aussage, die wie ein Hieb in die Magengrube daher kommt. Eine Aussage, die man so niemals in einer Liebeskomödie erwartet hätte. Eine Aussage, die herrlich sachlich-nüchtern von „der Göttlichen“ Greta Garbo vorgetragen wird und nach ihrer Charakterentwicklung als Ninotschka noch absurder wirkt als zuvor.

ninotschka2Im Jahr 1939, nur wenige Monate vor dem Beginn des Zweiten Weltkriegs, inszenierte Ernst Lubitsch das Aufeinandertreffen zweier Ideologien in Form der Liebeskomödie Ninotschka. Es trifft das „Savoir-vivre“ des kapitalistischen Frankreichs in Person von Graf Léon D’Algout (Melvyn Douglas) auf die unterkühlte und sachliche Systemtreue der kommunistischen Sowjetunion in Person von Genossin Ninotschka Yakushova (Greta Garbo). Wie sich dieses Aufeinandertreffen letzten Endes gestaltet und welche Ideologie als „Sieger“ aus diesem kleinen „Wettkampf“ hervorgeht, dürfte aufgrund des Genres und des Produktionslandes nur schwerlich zu erraten sein. Und dennoch gelingt es Lubitsch, die Liebesgeschichte nicht zu seicht werden zu lassen und zugleich werden überraschenderweise auch ein paar augenzwinkernde Seitenhiebe gegen den Kapitalismus gesetzt. Weiterlesen

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